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Die Strohhütte!

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„Bon jour Monsieur“ schallt es mir laut entgegen. Danach herrscht Stille. Noch ist es dunkel. Während ich leicht nach vorne übergebeugt im Raum stehe, die Decke hängt zu tief, als dass ich aufrecht stehen könnte, passen sich meine Augen der Umgebung an. Der etwa 15m² große Raum ist durch alle Reihen gefüllt mit Kindern zwischen fünf und zehn Jahren. Ihre Augen sind auf mich gerichtet, manche lächeln, andere wirken unsicher. Ibrahim ihr Lehrer ruft einen der Jungs nach vorne. Er hat Tränen in den Augen, so groß ist seine Angst vor dem Toubab – Weißen Mann. Ich hocke mich auf Augenhöhe nieder, reiche ihm die Hand und streiche ihm über die Wange. Er geht etwas beruhigter zurück auf seinen Platz. Der Klassenraum hat weder Fenster noch elektronisches Licht, welches sich lediglich durch die Spalten der Strohmatten seinen Weg in den Raum bahnt. Der Raum, welcher zugleich die Gesamtheit der Schule umfasst, steht einsam, gebaut auf feinem Sand, leicht abseits des Dorfes. Aus welchem die Schüler vorbei an den Häusern, Tierställen, Ziegen, Eseln und den Dorfbewohnern, die wenn sie nicht gerade irgendwo im Schatten sitzen diversen Aufgaben nachkommen, durch den tiefen Sand in die Schule strömen.

Eigentlich steht die Zeit immer noch still in Ndiokhop. Ein kleines Dorf 50 Kilometer nordöstlich Dakars. Es gibt weder Elektrizität noch fließend Wasser. Die Bewohner säen, bewässern, jäten und ernten in müßiger Handarbeit. Man stampft Maniok. Hält Ziegen und Esel. Zweite dienen als Transportmittel. Die Kinder besuchen die Koranschule und werden in der Regel früh verheiratet. Doch seit kurzem weht hier ein anderer Wind.

So gibt es seit einem Jahr eine asphaltierte Straße die quer durchs Dorf bis an den Strand führt, an dem gerade ein kleines Resort aufgebaut wird. Da es aber im gesamten Dorf nur ein Auto gibt ist dieses, für hiesige Verhältnisse, Großprojekt von relativ geringer Bedeutung für die Einwohner. Hier widmet man sich mit wesentlich größerer Aufmerksamkeit, einer ganz anderen Modernisierung. Dem Fernseher! Dank eines Solarpanels, auf dem Dach des Beraters des Bürgermeisters, ist es zum ersten Mal möglich Zugang zu diesem Medium zu erhalten. Abend für Abend versammelt sich nun das Dorf, sitzt dicht an dicht und schaut und lauscht. Während der Fernseher ohne große Bedenken akzeptiert wurde, wird die letzte der Modernisierungsmaßnahmen mit reichlich Argwohn betrachtet. Die Schule.

Seit drei Monaten gibt es die erste öffentliche Schule in Ndiokhop. Für viele der Dorfbewohner stellt sie eine Bedrohung ihrer religiösen Sitten und sogleich der traditionellen Schule, der Koranschule da.  Nichtsdestotrotz umfasst die erste Klasse, welche vom Direktor und einzigem Lehrer der Schule Ibrahim (25) unterrichtet wird, bereits nach 3 Monaten 25 Schüler und diverse Kinder, die noch zu jung sind, aber trotzdem dem Unterricht beiwohnen. Noch ist die Schule ein reines Provisorium –  ein Geflecht aus Strohmatten. Doch bereits in den nächsten Jahren ist geplant, die Schule zu erweitern und ein „anständiges“ Gebäude zu bauen.

Ibrahim ist vermutlich der jüngste Direktor einer Schule in Senegal. Er war immer der Beste der Klasse und der Beste in der Uni. Was schließlich der Grund gewesen war, ihn für die Gründung dieser Schule anzustellen. Er spricht gutes Englisch, perfektes Französisch, seine Mutter sprache Wolof und Pheul – die Muttersprache der meisten Kinder im Dorf, ohne welche das Unterrichten kaum möglich wäre. Es tut gut ihm zuzuhören. Selbstbewusst und reflektiert redet er über die Situation Afrikas, Senegals und die seiner Schüler. Europa würde er auch mal besuchen, wenn er könnte, aber Auswandern niemals. Auch wenn er der Zukunft seines Landes skeptisch gegenüber steht, ja teils hoffnungslos, bleibt er seinen Werten und dem Glauben an seine Schüler treu. „Sie könnte eines Tages die erste Präsidentin Senegals werden.“ pflichtet er mir bei, ohne auch nur den geringsten Zweifel daran zu haben, als wir am Abend über den gemeinsamen Tag in der Schule reflektieren. Mir war besonders eine Schülerin aufgefallen. Schon beim Eintreten in den Raum überzeugte sie mich mit ihrer Furchtlosigkeit, später mit ihrem Fleiß und Intellekt. Er habe ihren Vater auch bereits gebeten, sie nicht im frühen Alter zu verheiraten. Aber Hoffnung und Hoffnungslos liegen nah bei einander.

Ich krieche aus meinem Auto und putze mir die Zähne. Die ersten Dorfbewohner bearbeiten bereits den Acker und beobachten jeden meiner Schritte. Danach gehe ich zu Ibrahim ins Zimmer, welches er im Haus des besagten Beraters des Bürgermeisters bezogen hat. Wir trinken schnell einen Kaffee und laufen zur Schule. Auf dem Programm stehen heute Schreibübungen, es gilt die Buchstaben b, p, d zu lernen. Hierzu verwenden die Schüler zunächst jeweils ein kleines Täfelchen und Kreide. Die zweite Übung, diesmal sollen die Buchstaben mit einem feineren Bleistift geschrieben werden, wird mit Hilfe eines kleines Heftes in dem Ibrahim am Tag zuvor für jedes Kind einzeln die Übungen vorgeschrieben hatte, durchgeführt. Als nächstes steht die Rückgabe des ersten Tests an. Auch die Tests werden von Ibrahim einzeln handschriftlich vorgefertigt, inklusive Zeichnungen. Bei der Ausgabe muss jeder Schüler, von lautem Applaus der Mitschüler begleitet, nach vorne kommen und sich seinen Test persönlich abholen. Noch ein abschließendes Gruppenfoto und „High fives“ und es geht für alle in die ersten zweiwöchigen Ferien.

 

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Post Author
Carlo Drechsel

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