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Ein erster Rückblick

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Nicht nur politisch und kulturell zieht sich eine tiefe Furche durch Marokko und Mauretanien, sondern auch geografisch. So sind die beiden Grenzposten etwa zwei Kilometer von einander entfernt und nicht durch eine Straße verbunden. Stattdessen schlängeln sich diverse Pisten durch das verminte „Niemandsland“, links und rechts davon Autowracks und Entladungen von Sondermüll, hauptsächlich Fernseher. Die Pisten sind so schlecht, dass es ein mit Mandarinen überladener LKW nicht geschafft hat und kurz vor dem Grenzposten Mauretaniens seitlich auf dem Boden liegt.

Viel ist passiert, seitdem ich vier Wochen zuvor in Marokko ankam. Hierbei muss ich nicht nur an die unzähligen Erlebnisse denken, die mir persönlich wiederfahren waren, sondern auch die globalen Geschehnisse. So hatte die PEGIDA Bewegungihren Höhepunkt am 05 Januar mit 20.000 Demonstranten in Dresden. Eine Bewegung die international enormes Gehör fand und über die auch in marokkanischen Radios, Zeitung und Fernsehen ausgiebig berichtet wurde. So fand ich mich am 06 Januar in der Wohnung eines neuen marokkanischen Freundes wieder, als im englisch sprachigen französischen Fernsehen ein ausführlicher Bericht über PEGIDA gesendet wurde, als mein Blick vom Fernseher zum Sofa links von mir schweifte. Ich erblickte ein junges, kuschelndes und unverheiratetes marokkanisches Pärchen, welches mich nur Stunden zuvor von der Straße zu sich nach Hause geholt hatte. Vielleicht die einzige Situation, in der ich mich, auf Grund von fremdschämen, in Marokko nicht wohlgefühlt habe. Glücklicherweise bereitete PEGIDA, vielleicht Unverständnis und die Frage nach dem „Warum“ jedoch keinerlei Argwohn. Zumindest konnte ich dies nirgends feststellen. Als nur  einen Tag später der PEGIDA Diskurs durch das Attentat in Paris in den Schatten gestellt wurde, war ich gerade am Strand Fußball spielen und bekam zunächst nichts von den Geschehnissen mit. Am darauf folgenden Tag waren die marokkanischen Zeitungen übersäht mit Abbildungen von Demonstranten die „Je suis Charlie“ Plakate hochhalten. Während aber Medien, als auch Regierungsvertreter sich geeint gegen die Attentäter und gegen Terrorismus zeigten, ist die breite Masse weniger entschlossen. So wurde man auf der einen Seite, auf Grund seiner Hautfarbe teils mit „Je suis Charlie“ begrüßt. Auf der anderen Seite kursierten aber auch Slogans in den sozialen Netzwerken wie „Je suis Mohamed“. Eine Äußerung wie ich sie in Mauretanien später noch ausgedruckt über einer Bar hängen sehen werde. Persönlich, erschien mir der größte Teil der Bevölkerung sich von den Terroristen zu distanzieren und verurteilte die Anschläge, sowie religiösen  Extremismus im Allgemeinen, welcher Religion auch immer. Aber dieser Tage einen gläubigen Muslim zu finden, der Charlie Hebdos’s Karikaturen gut oder gar lustig fand oder findet ist rar. Dafür scheint es vor allem zwei Gründe zu geben: der Erste, die offensichtliche Verunglimpfung ihres geliebten Propheten und der Zweite, man fühlt sich persönlich angegriffen. Eine Äußerung eines älteren Mannes mit dem ich mich unterhielt, lautete in etwa wie folgt: „Ihr schmeißt Bomben auf die Hälfte aller islamischen Länder, während ihr, der Aggressor, den Islam zum Bösen Feind des Westens erklärt und macht euch dann auch noch lustig über uns!“ „Warum?“

Ein globales Ereignis, welches von fortwährender Dauer ist, jedoch weniger präsent in den Medien war, ist und bleibt die Flüchtlingsbewegung in Afrika mit der ich viel konfrontiert wurde. Ich hatte bereits berichtet über meine Zusammenkunft mit Martial Eric Italien, aber auch davor und danach war es mir nicht möglich, diese Thematik zu meiden. Schon bei der Einreise in Ceuta, ergab sich mir ein schockierendes Bild: im Hinterland, hier säumte eine ungemeine Anzahl von schwarzen Flüchtlingen die Autobahn. Mal einzeln, mal zu zweit, mal in Gruppen von bis zu 30 Mann. Wo diese Flüchtlinge unterkommen, oder wie sie sich ernähren, blieb mir weitestgehend schleierhaft, da es weder großartige Siedlungen in der Region und dementsprechend auch wenig Lebensmittel gibt. Im Laufe der Reise traf ich immer wieder Flüchtlinge an –  sie sind über das ganze Land verteilt –  die allesamt, dass mehr oder weniger gleiche Schicksal eint. In Daklah freunde ich mich mit einem senegalesischen Flüchtling an, der mich später zu sich nach Hause einlädt. Das gesamte Haus ist bewohnt von Flüchtlingen die in der Fischfabrik für etwa 200 Euro den Monat arbeiten, gerade genug um ein wenig Geld zur Seite legen, um es hoffentlich bald versuchen, oder besser wiederversuchen zu können, die „Clandestine“ zu absolvieren – die Übersetzung nach Europa.

„19 Jahre“ beantwortet mir einer der vielen Flüchtlinge die Frage nach seinem Alter. Vor zwei Jahren sei er in Kamerun als noch Minderjähriger losgelaufen. Fünf mal versuchte er bereits das Mittelmeer zu durchqueren. Fünf mal ohne Erfolg. Ober er es wieder versuchen wird? „Ja“ er lächelt – die Hoffnung stirbt zuletzt!

Es dauerte alles ein wenig zu lange, das Niemandsland, der Papierkram an der Grenze. Jetzt stecke ich mit meinen Mitreisenden fest. Naja. Notgedrungen verbringen wir die Nacht im mauretanischen Grenzbereich. Gespannt was im nächsten Land alles weltbewegendes passieren wird. Aber jetzt erstmal was kochen!

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Post Author
Carlo Drechsel

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