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Gefangen im Labyrinth

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Ich bin gefangen. In einem Labyrinth in dem alles immer enger, heißer, lauter, sauerstoffärmer und voller wird, bis zu dem Punkt an dem sich nichts mehr bewegt. Dicht an dicht kleben die Stoßstangen der mehr als schrottreifen Autos. Die kleinsten Lücken werden von Passanten genutzt um sich hindurch zu zwängen, es herrscht ein reges Treiben. Bedürftige strecken mir ihre Hände entgegen, Polizisten pfeifen wild durch die Gegend, Kutscher prügeln auf ihre Esel ein, Händler wollen verkaufen, aus Lautsprechern kommt lautes Geplärre, es riecht nach Abgasen und letztlich herrscht eine unerträgliche Hitze.

Nach einem wochenlangen Aufenthalt in der Weite und Einsamkeit der Sahara fühlt sich die Einfahrt nach Nouakchott (Hauptstadt Mauretaniens) an wie eine Mauer, in die man kopfvorwärts reinknallt.

Ich hatte schon geahnt, dass um diese Uhrzeit in das Zentrum zu fahren einem Selbstmord nahe kommt. Zu spät! Jetzt zwänge ich mich im Schritttempo durch die Straßen, dabei blicke ich hilfesuchend auf meinen Navi. Wie komme ich hier wieder raus? Vielleicht hier Links? Stau! Vielleicht hier Rechts? Stau? Wo ich auch hin gucke die Straßen sind verstopft. In den 50iger Jahren war Nouakchott noch ein Dorf, welches nicht mehr als 500 Menschen umfasste. Heute leben hier eine Million Menschen. Die vollkommen unplanmäßige Zuwanderung, geprägt von in erster Linie Landflüchtigen, sorgte für eine ebenfalls vollkommen unplanmäßige, um nicht zu sagen strukturlose Infrastruktur, die auf allen Ebenen dem Umfang der Stadt nicht gewachsen ist. In manchen Seitenstraßen ist der Sand so fein und uneben, dass ich sogar kurz davor bin den Allrad einzustellen. Doch irgendwie bahne ich mir meinen Weg durch das Chaos und finde sogar nach einer gefühlten Ewigkeit die Senegalesische Botschaft, wo ich mir gleich das Visum ausstellen lasse. Doch im Gegensatz zu meiner vorrübergehenden Begleitung, die wie viele andere Afrikareisende Nouakchott so schnell wie es nur geht wieder verlassen, plane ich mich der Stadt für eine Weile anzuvertrauen.

„Hola Carlito! Que tal estas?“, begrüßt sie mich lächelnd. Mein Herz schlägt höher. Küssen links Küssen rechts. Patricia, eine wunderschöne temperamentvolle Spanierin, die ich die Woche zuvor viaCouchsurfen kontaktiert hatte – erscheint mir wie eine Oase, in Anbetracht der Umgebung und der Ferne zu Spanien. Seit einem halben Jahr arbeitet sie hier an einer Internationalen Schule. Warum Nouakchott? Ein Ort an dem die meisten Europäer es nicht eine Woche aushalten. Afrika oder Asien sollte es werden, aber an die begehrten Schulen direkt nach dem Studium zu kommen sei schwer und so landete sie in Nouakchott. Das gleiche Schicksal teilt ihr amerikanischer Arbeitskollege Jimmy. Der vor wenigen Monaten zum Islam konvertierte Grundschullehrer macht einen ebenfalls sehr sympathischen Eindruck, stelle ich schnell bei einem gemeinsamen Kaffee fest.

So lasse ich mich auch nicht zwei Mal bitten sie in der Schule zu besuchen. Bevor ich jedoch in die Klasse Patricias dazu stoße, halte ich einen kurzen Vortrag für mehrere Klassen der Achten und Neunten Jahrgangsstufe. Ich sollte probieren die Schüler zu inspirieren, lautete meine bescheidene Aufgabe. Ob es mir gelungen ist weiß ich nicht, definitiv haben sie gespannt zu gehört, mir viele Fragen gestellt und abschließend mich um ein Autogramm gebeten. Ähnlich ging es in der darauf folgenden Stunde mit der Ersten Klasse weiter die von Patricia betreut wird, erst eine Fragestunde und danach wurde gemeinsam in Gruppen ein großes Europaplakat entworfen.

Während des Unterrichts wird ausschließlich Englisch gesprochen, hierbei fiel mir einmal mehr die Lernfähigkeit von Kindern auf die allesamt sehr gut Englisch sprachen, in einem relativ lockeren Umfeld.  Die Lehrer tragen kurzärmlig und das weibliche zumeist westliche Personal, trägt kein Kopftuch. Auch meinen Vortrag durfte ich frei gestalten und aufkommende Fragen, wie: „What do you believe in?“ ehrlich beantworten.

Die darauf folgenden Tage  schlendere oder fahre ich durch die Stadt, die man gefahrlos bis in die hintersten Winkel erkunden kann. Zum Rande der Stadt hin wird die Häuserdichte immer niedriger, bis auch die letzten Sandgassen und Wellblechhütten, sich der sandigen Weite der Wüste ergeben. Besonders beeindruckend: der Fischerhafen, an dessen Strand links als auch rechts entlang vermutlich tausende bunt bemalte Holzboote liegen. Man läuft statt auf Sand viel mehr auf Fischschuppen und Gräten. Wird der Fisch nicht direkt am Strand gegrillt, ausgenommen oder Vorort weiter verkauft, landet er auf, im wahrsten Sinne des Wortes bodenlosen, abgeranzten und durchgerosteten Autos. Die Achsen durchgebogen, Reifen eiernde Slicks, die Lichter alle kaputt, das Chassie so krass verrostet, dass man wirklich nicht begreifen kann wie dieses Gefährt überhaupt noch fahren kann. Doch es fährt! 200 Kilo Fisch in den Kofferraum 200 Kilo aufs Dach und zu sechst ins Auto rein gequetscht – einfach unfassbar! Es fährt!

Willkommen in Afrika!

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Post Author
Carlo Drechsel

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