Subscribe to newsletter

Subscribe to the newsletter and you will know about latest events and activities. you will not regret.

0

Cart

Your cart is currently empty.

Los! Zeit-, Raum- und Grenzen-los!

Want create site? Find Free WordPress Themes and plugins.

Selbst mit modernem Gerät und gut asphaltierten Straßen, die Durchquerung der Sahara, bedarf auch bei Reisenden des 21ten Jahrhunderts ihre Zeit. Von Agadir an, welches unweit der südlichen Ausläufer des Riff-Gebirges liegt, bahnt sich die Straße ihren Weg, mal mehr mal weniger nahe am Meer, in mal mehr mal weniger gutem Zustand, ihren Weg durch die Endlosigkeit. Insgesamt 2500 Kilometer sind es von Agadir bis zum Fluss Senegal welcher abrupt zum Ende der Sahara auf westlicher Seite des afrikanischen Kontinents führt. Von hier an befindet sich der Reisende in der semiariden Savanne – der Sahel. Auf dem Weg dorthin durchquert er Marokko, Westernsahara und Mauretanien.

Wie ein Schwert teilt die Straße die monotone Landschaft in zwei. Sie zieht sich kerzengrade bis sie sich im flimmernden Horizont verliert, wo in weiter Ferne liegende Anhebungen wie schwebende Untertassen erscheinen. Aus diesem Schmelztiegel ergießt sich der Himmel in ein blaues Meer, welches ringsum, in eben jenem Tiegel sein Ende findet. Entfernte Objekte, wenn es überhaupt so etwas Markantes wie ein Objekt gibt, im besten Fall ein Kamel, ein Fahrzeug oder eine Antenne, lodern auf und verschwinden wieder, sie zu bestimmen unmöglich. Der lodernde Film der sich nur unweit des Betrachters anfängt über den gesamten Raum zu verteilen, nimmt die Distanz. So sieht man zum Beispiel zunächst ein Objekt auflodern und wieder verschwinden, einige Zeit später erscheint es konstanter, um dann wiederrum einige Zeit später als Lkw identifiziert werden zu können, dessen Fahrtrichtung wiederum noch nicht ganz ersichtlich ist, wenn er denn überhaupt fährt. Aber nicht nur die Distanz, sondern auch die Zeit verliert hier ihr gewohntes Verhältnis. Dünen wandern, Lebewesen stehen still, das Gemüt entschleunigt, man denkt und bewegt sich in Zeitlupe, nicht nur weil die Hitze einen dazu zwingt, sondern auch weil die Wüste mit einer meditativen, ja fast hypnotischen Aura einen dazu bringt. So werden Stunden im Fahrersitz zu Minuten, der Blick stets nach vorn, die Gedanken verloren. Ein Zustand welcher in alternierenden Abständen zu einem abrupten Ende kommt: die Hände klammern sich ans Lenkrad, der Puls schnellt nach oben. Jedesmal, wenn ein Lkw einem entgegen kommt, dreht sich das Verhältnis um: Sekunden werden zu Minuten und die Weite zur Enge. Dem aufkommenden Seitenwind des Lkws gegengesteuert, durch das Nadelöhr durchgezwängt – verliert man sich wieder in der Zeit- und Distanzlosigkeit. Was anfangs wie Monotonie in ihrer Reinform wirkte, wird zu einer abwechslungsreichen Landschaft. Die Wahrnehmung und zugleich die Bedeutung einzelner Objekte, verschiebt sich. Eine Tankstelle wird zu der Tankstelle, eine Dorf zu der Stadt, ein Mensch zu dem Mensch, ein Busch zu dem Busch und so fort. Das kleinste Detail in der Landschaft wird wahrgenommen und gewinnt an Bedeutung. Woher kommt dieser Mensch? Wo geht er hin? Was er wohl arbeitet? Ob er Hunger hat? Ist er glücklich in dieser lebensfeindlichen Umgebung? Die minimalistischsten Reize lösen in dieser Welt, eine Kette von Gedanken aus, die den Reisenden auf unbestimmt beschäftigen. Es ist genau dieser Zustand, der die Landschaft selbst, plötzlich in einem anderen Licht erscheinen lässt – abwechslungsreich. Was eben noch eine reine Dünenlandschaft war, in der Form wie sich Kinder die Wüste ausmalen, wandelt sich kurz darauf in eine flache ja fast schon steppenartige Landschaft, die übersät mit kleinen trockenen dornigen Büschen ist. (Zwischen dem „eben“ und „kurz darauf“ mögen vielleicht 4 Stunden vergangen sein) Der Sand, viel weißer als zuvor, kontrastiert hart unter gleisender Sonne mit den Büschen, welche in nur unweiter Ferne den gesamten Raum schwarz färben. Ganz im Gegensatz zu der kerzengraden schwarzen Straße die in unweiter Ferne durch den weißen Sand, der über sie im stetigen Wind weht, weiß gefärbt wird.  Eine Kurve – die Kurve – mit Gefälle und man befindet sich in einem trockenen vollkommen überdimensionierten Flussbett. Das Zentrum dunkel, fast schwarz, zu den Seiten langsam stufenweise übergehend in hellere Brauntönungen, bis letztlich eine Steilwand aus hellem Stein, aus der einzelne Teile losgelöst wie Vorboten tafelbergartig hervorragen, zu ihrem abrupten Ende führt. Während man eben noch jederzeit die Straße hätte verlassen können und mit dem Auto in der Lage war die Umgebung auf hartem Sand zu erkunden, befindet man sich nun in einer felsigen Geröll-Landschaft. Soweit das Auge reicht nur spitzer Stein der sich zu kleinen spitzen Hügeln aufgetürmt hat, oder besser gesagt von jenen abgebrochen ist– das Verlassen der Straße wird,  egal mit welchem Gerät, unmöglich.

Für viele Menschen, die genau aus dieser Welt entstammen, ist sie die Schönste – die Ruhe, die Weite, der Frieden. Man schlägt das Lager auf, kocht Tee, spielt Karten und nachts unter einer endlosen Fülle von Sternen die Gitarre.

Did you find apk for android? You can find new Free Android Games and apps.
Post Author
Carlo Drechsel

Leave A Comment

Your email address will not be published.

More beautiful photos from my trip

Join to Instagram