Subscribe to newsletter

Subscribe to the newsletter and you will know about latest events and activities. you will not regret.

São Tomé – die vergessene Insel

Want create site? Find Free WordPress Themes and plugins.

VOR DEM ABFLUG

Der Ford Ranger bahnt sich seinen Weg durch die Nacht Luandas, Hauptstadt Angolas, nur wenige Wochen vor den Wahlen. Die Wahlen. Zum ersten Mal seit 1979 Jahren wird Dos Santos nicht mehr antreten und ein neues Staatsoberhaupt an die Macht gelangen. Es sind weniger Autos als normal unterwegs, Expats und Wohlhabende, verließen in den letzten Wochen peu à peu das Land. Zwar geht man nicht vom Schlimmsten aus, aber sicher ist sicher. Michael, mein Südafrikanischer Surfbuddy, sitzt andächtig am Steuer und lenkt uns routiniert durch die zur Ruhe kommenden Hauptstraßen Richtung Innenstadt. Wir sind in Aufbruch Stimmung und in keinerlei Hinsicht betrübt, diese Metropole mit ihren langen Nächten und Wahnsinn für eine Weile zu verlassen und gegen ein Stück Paradise zu tauschen.

Ein unschöner Anblick an der Hauptstraße auf dem Weg reibt uns dieses Gefühl nochmals ins Gewissen wie ein Tattoo unter die Haut. Eine Leiche deren Gliedmaße in unnatürlichen Winkeln abstehen, säumt den Straßenrand. Zwei Polizisten nehmen Notiz des Unfalles. Der Anblick ist bedrückend, kein Leichentuch, keine weinenden Familienangehörige, sondern nur zwei Polizisten die sich der Situation mit einer Beiläufigkeit annehmen, als würden sie Strafzettel fürs Falschparken ausstellen. Nach einem strategischen Wechsel ins Taxi und letzten nächtlichen Erledigungen geht es zum Flughafen. Luanda gehört zu vier Städten auf der gesamten Welt, von denen man direkt nach São Tomé fliegen kann. Im Transitbereich treffen sich Geschäftsmänner und Familien, das Bier ist kühl, die Moskitos hartnäckig und das Gespräch mit einem Händler aus Mozambik angeregt.

DER ANFLUG

Das Flugzeug der angolanischen Airline TAAG wirkte gut im Schuss, das Boarding verlief mehr oder minder entspannt und dann servierte auch schon ein Steward Sandwichs, während er selbst fleißig auf einem Brötchen kaute und ich hoch hoben über dem Atlantik auf dem Weg zum Mittelpunkt der Erde war. Zu- mindest wenn die Erde eine Scheibe wäre, dann würde nämlich der afrikanische Inselstaat São Tomé und Príncipe genau im Zentrum liegen. Kreuzt sich hier doch der Null-Meridian mit dem Äquator. Die Landung verlief dann so reibungslos wie Zoll und Immigration. Inhaber eines deutschen Passes bekommen ein 14 Tage Touristen-Visum on arrival. Tatsächlich ist aber auch nie viel an Betrieb zu erwarten. Der Flughafen wird so wenig angeflogen, dass er eigentlich nur für einzelne Flieger aufwacht und danach wieder in einen langen Schlaf fällt. Lediglich aus den vier Städten: Lissabon (Por), Accra (Ghana), Libreville (Gabun) und Luanda operieren Fluggesellschaften.

DIE INSEL

Die Zeit scheint stillzustehen auf São Tomé. Als wir Nachts ankommen, sind die Straßen sind wie ausgestorben und dominiert von vernarbten Straßenhunden, während man vorbei an langsam zerfallenden Kolonialgebäuden in den Kern der Hauptstadt vordringt. Überhaupt ist alles recht simpel gehalten. Zum Beispiel das Bier: Es gibt Bier auf der Insel, ein Bier, in braunen Bierflaschen, die kein Logo haben, und es heißt Bier – einfacher und klarer geht nicht. Um finanziell flüssig zu bleiben, muss man daher auch Vorkehrungen treffen. Es gibt keine Geldautomaten und Bezahlen mit VISA ist nirgends möglich. Wer kein Bargeld in Dollar oder Euro dabei hat, wäre somit mittellos, und das ist schlecht. Denn günstige Unterkünfte wie Backpacker gibt es nicht, nur Hotels und die kosten gerne 70 Euro pro Zimmer und Nacht. Unentbehrlich ist außerdem ein Mietwagen, da der Bus- und Taxiverkehr außerhalb der Hauptstadt dermaßen spärlich ist, dass er unweigerlich zu Frustration führen würde. Der Vertrag für meinen fahrbaren Untersatz erfolgte per Handschlag: 100 US-Dollar für 6 Tage für einen Pajero Mini, der seit einem Jahr nicht mehr registriert und ab Tempo 60 kaum noch zu kontrollieren ist. Untergekommen bin ich schließlichbei Yves, einem ehemaligen französischen Sternekoch aus Paris mit kamerunischen Wurzeln, der nun Besitzer der „Villas On- das Divinas“ ist – einer Gruppe kleiner Bungalows vor der vermeintlich besten Welle der Insel. Er hat extra ein Zelt auf- gebaut, in dem ich für 10 Dollar pro Tag wohnen darf.

DAS WARTEN AUF DEN SWELL

Polizei gibt es eigentlich nicht und entsprechend auch keine nervigen Straßenkontrollen, stelle ich fest, während ich an den flachen Tagen vor dem nächsten Swell die Insel erkunde. Gut, ganz flach ist es eigentlich nicht. Da gibt es immer ein wenig Windswell am Strand der Sieben Wellen, aber ich will lieber auf die Perlen der nur 50 Kilometer breiten Insel warten. So verkostete ich 20 Gänge aus ausschließlich lokalen Zutaten im Restaurant von Sao Joao do Angolares, ließ mir von Claudio Corallo, dem besten Schokoladeproduzenten der Welt, seine Kunst erklären, besuchte die hochgelegenen Kaffeeplantagen und fand einen lokalen Farmer, der zeigte, wie man Vanille anbaut. Es scheint nichts, aber auch wirklich nichts nicht zu geben auf diesem fruchtbaren Biotop inmitten des Atlantiks. Unverzichtbar war auch der tägliche Besuch der Pico Mocambo Bar, dem Hotspot mit gutem Rum und unvergleichlichen Charakteren. Denn jeder, den es hierher verschlägt, ob nur für eine Wo- che oder das ganze Leben, hat eine Geschichte zu erzählen. So wie der aus Guinea-Bissau stammende, in England aufgewachsene und jetzt in São Tomé Bar besitzende und Rum produzierende Inhaber selbst. São Tomé hat einfach den ultimativen „Island Vibe“ und von allem etwas: Brasilien, Karibik, Portugal und Afrika. Der Grund dafür ist klar: Als die Portugiesen 1471 auf der Insel landeten, war sie gänzlich unbewohnt und so mischten sich im Laufe der Jahrhunderte Menschen aus den verschiedene Teilen der Welt. Das Resultat: Heute sieht jeder irgendwie anders aus.

DER SWELL IST DA

Hochsaison für Surfer ist zwischen Mai und September, wenn die Winterswells der südlichen Hemisphäre eintreffen. Als so einer wenige Tage nach meiner Ankunft endlich anrollte, fühlte ich mich fast schon wie ein Local und sprang wie ein Gockel über die Felsen zum Keyhole, als es passierte. Meine Leash blieb beim selbstbewussten Absprung am Felsen hängen, ich machte ein Kopfsprung und als ich wieder auftauchte, hing mein Board am Felsen fest, während die erste Welle mich selbst gegen die Steine klatschte. Ich fing an, mit den Füßen am Grund nach Halt zu suchen und trat direkt auf einen Seeigel. Danach bekam ich beim Rauspaddeln noch das Set des Tages auf den Deckel. „Gut gemacht!“, war alles, was mir dazu einfiel. Die Wellen waren groß und für mich die ersten Rechten seit meinem Schulterbruch in Spanien. Dementsprechend surfte ich. Dafür waren aber eine Handvoll extrem talentierter Kids im Wasser, die vormachten wie es geht. Der 18-jährige Jeje etwa surft so gut, dass er ohne Probleme in die QS einsteigen könnte. Gemeinsam fuhr ich mit ihm noch zum nächsten Spot, einer der bekannteren Wellen des Landes nahe einer mysteriösen US-Einrichtung. Jeje kannte natürlich den Weg und das Loch im Zaun zum Abkürzen. Der Spot entpuppte sich als ein rechter Pointbreak wie aus dem Bilderbuch: 3 bis 4 Fuß hohe Wellen, türkisblaues Wasser und obendrauf noch Palmen am Strand. Der Swell hielt sich noch zwei Tage, bevor der letzte Abend auf der Insel mit Bier, dem Bier ohne Label und Namen, Rum und Kizomba-Rhythmen zu Ende ging.

DER ABSCHIED

Am nächsten Morgen wurde – mit mehr Kater als Verstand – der Mietwagen einfach am Flughafen abgestellt und der Schlüssel einem Jungen ausgehän- digt, der behauptete, verantwortlich zu sein. Die Schokoladeninsel mitten im Atlantischen Ozean wird aber mit all den neuen Freunden, die ich in so kurzer Zeit ins Herz geschlossen haben, in guter Erinnerung bleiben, und hoffentlich werde ich eines Tages wieder zurückkehren.

Did you find apk for android? You can find new Free Android Games and apps.
Post Author
Carlo Drechsel

More beautiful photos from my trip

Join to Instagram